Offener Brief der Leute aus der Ernst Barlach Straße 7

Liebe Nachbarn.

Seit den frühen Morgenstunden herrscht neues Leben in den grauen Mauern der Ernst Barlach Straße 7. Wir, eine bunte, niedliche und weltoffene Gruppe, haben es uns zum Ziel gesetzt dort ein selbstverwaltetes Kultur-, Wohn- und Begegnungszentrum entstehen zu lassen.
In den folgenden Zeilen möchten wir euch die Gründe für unser Vorgehen aufzeigen und einladen euch ein eigenes Bild über uns zu machen.
Warum sind wir hier?
Die momentanen Zustände in der Stadtentwicklung Rostocks und anderswo haben uns dazu veranlasst, geradezu gedrängt, einen Ort zu schaffen, um der Verteuerung von Wohnraum und Verdrängung von Kultur entgegenzutreten. Der Rostocker Mietspiegel steigt Jahr um Jahr und führt zu einer der teuersten Wohngegenden in Deutschland, sodass es für viele Menschen mit geringem Einkommen, Student_innen, Arbeitslosen, Rentner_Innen und vielen anderen immer schwieriger wird sich in der Innenstadt zu halten. Wir können es nicht länger hinnehmen , dass in Rostock zu viele neue Häuser mit sogenannten hochwertigen Wohnungen entstehen, die mensch nicht bezahlen kann und somit in die Randbezirke verschwinden muss.
Beispielhaft dafür ist die Umgestaltung des ehemaligen Kulturgüterbahnhofs in der Östlichen Altstadt zu teuren Lofts, Wohnungen und einem weiteren, geplanten, Einkaufszentrum. Wenn neuer Wohnraum entsteht, entstehen außerdem oft Reibungspunkte mit lange etablierten und wichtigen kulturellen Einrichtungen, wie der aktuelle Konflikt zwischen dem Jugend- Alternativ-Zentrum und den zugezogenen Bewohner_Innen, die im Vorfeld vom Eigentümer nicht über die Existenz des JAZ informiert wurden, am Kulturgüterbahnhof zeigt. Für ein vielfältiges Rostock ist es wichtig alternative Freiräume zu erhalten und neue zu schaffen. Durch strenge Auflagen und/oder Kürzung von finanziellen Mitteln bekommen aber statt dessen viele Projekte, wie das Café Median oder das Peter Weiss Haus und die Stubnitz Probleme oder mussten, wie zum Beispiel die Escobar, ganz aufgeben. Auf der anderen Seite entstehen funktionelle, langweilige Bürokomplexe und teure Wohnungen.

Aktiv werden!
Aus diesen Gründen haben wir beschlossen einen neuen, vielfältigen und unabhängigen Freiraum fernab von Rassismus, Sexismus, Homophobie und anderen Unterdrückungsformen zu schaffen. In der nächsten Zeit werden verschiedene Projekte wie ein Umsonstladen, ein Café, kreative Werkstätten, ein Raum für politische Veranstaltungen und Diskussionen sowie alternativer Wohnraum entstehen, um die Ernst Barlach Straße 7 zu einem lebhaften Ort werden zu lassen.

Kommt zahlreich!
Es ist uns dabei wichtig euch durch unsere Arbeit als Unterstützer_Innen, Sympathisant_Innen und gern gesehene Gäste zu gewinnen. Hiermit wollen wir euch heute zu einem „Tag des offenen Hauses“ einladen. Macht euch ein Bild, lernt uns kennen. Wir würden uns freuen wenn ihr kommt, euch und eure Vorschläge einbringt oder selbst in unseren oder eigenen Projekten aktiv werden wollt. Im Tagesangebot bieten wir Kinder schminken, Kaffee und Kuchen, musikalische Begleitung und andere Aktivitäten an.
Des weiteren wird es die ganze nächste Woche Veranstaltungen im und rund ums Haus geben. Geplant sind eine Lesung, ein Filmabend, Aufbau und Eröffnung des Cafés und kreative und handwerkliche Betätigungen.

Wir freuen uns auf euch! Auf schöne und wunderbare Nachbarschaft!
Eure Leute aus der Ernst Barlach Straße 7